Kulturagentinnen und Kulturagenten Schweiz

Die Entdeckung von subtilen Interventionen von Schüler.innen im Kulturraum der Michaelschule führt mich zu folgenden Fragen: sind die hinterlassenen Spuren etwas Zufälliges? Entstehen sie als explizite künstlerische Auseinandersetzung mit der Sozialisierungsumgebung der Jugendlichen?

Im initialen Konzept, war ein Teil des Kulturraums an der Michaelschule als lebendiges Archiv der Geschichte der Schule sowie vergangener Kunstprojekte angedacht. Ganz am Anfang haben Lehrpersonen Beiträge in Form von Fotografien aus der Vergangenheit der Schule und aus Beispielen der klassischen modernen Malerei im Kulturraum platziert.

Und die Schüler.innen? An dieser Stelle ist mir wichtig auf zwei Dinge hinzuweisen. Erstens haben die Schüler.innen den Kulturraum hauptsächlich in einen Jugendtreff verwandelt, welcher der alltäglichen Existenz der Jugendlichen entspricht. Dies bedeutet, zweitens, dass sich die Schüler.innen in ihrem eigenen Mikrokosmos des Jugendtreffs temporär aus der Unterrichtsstruktur distanzieren können. In diesem Raum können sie sich erholen und unter sich sein.
Am meisten finden sich im Kulturraum künstlerische Spuren als spielerische oder automatische Gesten, wie ein kleiner Lichtkasten mit wechselnden Buchstaben, eine Recycling-Assemblage aus Flaschen und Stühlen oder eine kollektive Zeichnung, welche sichtbar in einer Ecke platziert ist. In einem «Gästebuch» zeichnen die Schüler.innen auf kraftvolle Art und Weise mit Kugelschreibern und teilen miteinander mit Spontaneität was in anderen Kontexten eventuell ungesagt bleiben würde. So entsteht eine Sammlung unmittelbarer Interventionen, die das Archiv im Jugendtreff (= Kulturraum) weiter in Bewegung versetzt. Was heute in der Gegenwart der Schüler.innen aktuell ist findet hier einen Platz des Ausdrucks und der Kommunikation.
In den Zeichnungen zeigen sich verschiedene Affekte aus dem gelebten Alltag der Schüler.innen, in welchen Identifikationswünsche sichtbar sind.
Werden diese Zeichnungen der Schüler.innen in einen Rekonstruktionsprozess der ästhetischen Bildung in der Schule einfliessen? Werden sie auf die neuen Generationen von Lehrpersonen und Schüler.innen wirken?

Wenn das Archiv im Kulturraum als wichtiger Bestandteil der Schule weiter aktiviert wird, kann ich mir vorstellen, dass die aktuellen künstlerischen Spuren und Zeichnungen für andere fachübergreifende Themen und Projekten wie dafür berufen sein könnten, um Verbindungen zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart des Schullebens zu ermöglichen. Ein intergenerationeller Dialog, der bereits heute da ist und neue Interventionen, Sichtweisen und künstlerische Aneignungen hervorrufen wird.