Kulturagentinnen und Kulturagenten Schweiz

Bewerbung

Auf das Schuljahr 24/25 können sich neue Schulen für eine ein- bis zweijährige Teilnahme im Kulturagent.innenprojekt bewerben und sich auf 2-3 Schwerpunkte zu konzentrieren.

Ab sofort können sich Schulen in den Kantonen Thurgau, St. Gallen und Bern als Partnerschule im Projekt «Kulturagent.innen Schweiz» bewerben.

Wir schalten hier laufend Informationen über die Bewerbungsmöglichkeiten der unterschiedlichen Kantone auf.

Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen: In den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen können sich ab sofort alle öffentlichen Volksschulen inklusive Sonderschulen für eine Teilnahme im Projekt anmelden.
Anmeldungen werden bis 30. August 2024 entgegengenommen.
Hier gibt es mehr Informationen und einen direkten Link zur Anmeldung für Schulen in Appenzell Ausserrhoden und hier für St. Gallen.

Thurgau: Interessierte Schulen, welche ab dem zweiten Semester des Schuljahres 24/25 oder ab dem Schuljahr 25/26 starten möchten, können sich direkt bei kklick melden: kulturagent.innen@kklick.ch

Bern: Die Anmeldefrist für das Schuljahr 2024/25 ist abgelaufen. Die Ausschreibung für eine Teilnahme ab Schuljahr 25/26 wird im Herbst 2025 hier aufgeschaltet.

Zürich: In Zürich nehmen auf Beginn des Schuljahrs 2024/25 sechs Schulen am Kulturagent.innenprojekt teil; die Anmeldefrist ist abgelaufen. Interessierte Schulen, die zu einem späteren Zeitpunkt starten möchten, können sich an beat.krebs@vsa.zh.ch wenden.

Mögliche Schwerpunkte

Gemeinsam mit der*dem Kulturagent*in setzt jede teilnehmende Schule ihre eigenen Schwerpunkte. Damit dies gut gelingt, braucht es eine Fokussierung auf ein bis zwei der hier aufgeführten Möglichkeiten:

Ziel und Wirkung: Selber machen anstatt zuschauen: Schüler*innen sollen ihre eigenen künstlerischen Erlebnisse und Erfahrungen machen. Lehrpersonen werden vertraut mit der Konzeption und Durchführung von Kulturprojekten und führen diese in Zukunft eigenständig durch.

Voraussetzungen: Findet meist in Projektform und in Zusammenarbeit mit externen professionellen Kunstschaffenden statt. Dies erfordert Gefässe wie Projektwochen, Kulturtage etc., eine gewisse Flexibilität in der Personalplanung sowie Engagement seitens Schule, von den Lehrpersonen bis zum Hausdienst.

Beispiele: Aussenraumgestaltung mit Schüler*innen, Kulturtalks, Projekttage mit Künstler*innen, Lesewochen, Fanzines, eigene Filmproduktion, von Schüler.innen bespieltes Pausenfestival, eigene Farben in der Natur herstellen, etc.

Ziel und Wirkung: Kunst und Kultur als Instrumente nutzen, um das Zusammenleben in der Schule zu stärken und eine Schulgemeinschaft zu etablieren.

Voraussetzungen: Es geht nicht um die Dinge, die im Klassenzimmer passieren, sondern um alles, was das Miteinander ausserhalb des Klassenzimmers prägt. Dies erfordert die Bereitschaft der Schulleitung, der Lehrpersonen, des Hausdiensts, der Mensa, Räume (strukturell, zeitlich und physisch) für Schulkultur zu schaffen.

Beispiele: Schulradio, Pausenfestival, Pausenkiosk, Amphitheater auf dem Pausenplatz, Kulturraum im Schulhaus, durch Schüler*innen bespieltes Ideenbüro, eigener Schulsong, Aktivierungstage, Schulbibliothek.

Ziel und Wirkung: künstlerische Fachbereiche stärken oder schaffen (Theater, Musik, Tanz, Film/Medien, bildende Kunst) resp. einen oder mehrere Fachbereiche zum Aushängeschild für die Schule machen. Starke ästhetische Bereiche prägen das Schulleben nachhaltig (z.B. in Form von Ausstellungen, Konzerten oder Theatervorstellungen) und machen die Schule auch als Arbeitsort attraktiv.

Voraussetzungen: Die Schulleitung muss systematisch und langfristige kulturelle Bildung auf- und ausbauen wollen und dafür entsprechende Ressourcen und Räumlichkeiten zur Verfügung stellen.

Beispiele: Fachräume mit entsprechender Ausstattung schaffen, geeignete Unterrichtsformate etablieren sowie Bedingungen schaffen, dass sich das Fachpersonal wertgeschätzt fühlt und sich entfalten kann.

Ziel und Wirkung: kreative Lern- und Lehrmethoden sollen nicht nur in den musischen, sondern in allen Fachbereichen und Fächern etabliert werden. Methoden aus Kunst und Kultur werden genutzt, um reguläre Schulfächer wie Mathematik, Biologie und Sprachen auf unkonventionelle Art zu vermitteln.

Voraussetzungen: Offenheit und Neugier seitens Schulleitung und Lehrpersonen, Neues im Unterricht auszuprobieren und konkrete Zeitgefässe dafür zur Verfügung zu stellen.

Beispiele: Statt Mathematik-Lektionen einen Tag lang gemeinsam ein Museum vermessen, Speeddating und Matching Kulturschaffende und Lehrpersonen, Slampoetry im Deutsch-Unterricht, Fotografie im Biologieunterricht, Creative writing, Lehrmittel künstlerisch und partizipativ gestalten.

Ziel und Wirkung: Allen Schüler*innen sollen vielfältige Kulturerlebnisse auch ausserhalb des Schulgebäudes ermöglicht werden und so eine Chancengleichheit zu fördern. Die Intensität und Diversität des Angebots soll so hochgehalten werden, dass die Kulturerlebnisse nicht als zusätzlicher, sondern als wichtiger Teil des Bildungsangebots gelebt werden.

Voraussetzungen: Lehrpersonen, welche bereit sind, sich inhaltlich mit den Angeboten auseinanderzusetzen und sich organisatorisch einzubringen. Die Schulleitung stellt Zeitgefässe und personelle Ressourcen für Kulturerlebnisse zur Verfügung.

Beispiele: Theater-, Museums- oder Konzertbesuche mit passenden Vor- und Nachbereitungsformaten, Besuch von Künstler*innen in ihren Ateliers etc.

Warum mehr Kunst an Schulen?

Es ist nicht neu, aber bemerkenswert: Kulturelle Bildung kann Schüler*innen Fähigkeiten vermitteln, die ihre persönliche und berufliche Entwicklung bereichern. Künstlerische Prozesse fördern soziale Kompetenzen, kritisches Denken, und Problemlösungsfähigkeiten. Sie ermutigen junge Menschen, ihr Potenzial zu entfalten, stärken sie in ihrer Selbstwirksamkeit und können zum Verständnis für Vielfalt und Toleranz beitragen – alles Fähigkeiten, die für die Teilhabe und Gestaltung einer zukünftigen Gesellschaft von grosser Bedeutung sind. Auf das Potenzial künstlerischer Prozess zu setzen ist ein inspirierender Ansatz, um Schulleitungen und Lehrpersonen zu unterstützen, sowie Kinder und Jugendliche in ihrem Lernen und ihrer Entwicklung zu begleiten. Kulturagent.innen helfen Ihnen dabei. Sie bringen viel Erfahrung mit, wie durch künstlerische Methoden Bildungsprozesse angestossen werden können. Bedürfnisorientiert und mit nachhaltiger Wirkung.

Das Projekt

Das Projekt «Kulturagent.innen für kreative Schulen» will bei Kindern und Jugendlichen Interesse an den Künsten wecken und die selbstverständliche Teilhabe an Kultur fördern. Gleichzeitig bietet es Schulen Beratung und Begleitung auf dem Weg zur Schule mit kulturellem Profil. Es hat zum Ziel, mit künstlerischen Methoden die Schulkultur auf verschiedenen Ebenen weiterzuentwickeln. Die Wirkungsbereiche reichen von der Durchfü hrung klassenübergreifender Kulturprojekte bis hin zu Schulentwicklung mit künstlerischen Methoden auf der Ebene der Lehrpersonen und der Schulleitung. Inspiriert aus den erfolgreichen Vorbildprojekten in England und Deutschland, wurde das Modell «Kulturagent.innen für kreative Schulen» 2018 in die Schweiz übernommen und in 7 Kantonen kontinuierlich weiterentwickelt. Der sechsjährige Pilot zeigte eindrücklich, welche Wirkung die Verschränkung von Kunst und Schule haben kann – auf die einzelnen Schüler.innen, auf den Gesamtkosmos Schule und auf die Schulgemeinde. Ab Sommer 2024 starten die Kulturagent.innen an neuen Schulen.

Die Kulturagent.innen

Kulturagent.innen sind der Dreh- und Angelpunkt des Projektes. Sie sind die Verbindung zwischen Lehrpersonen, Schulleitung, Schüler*innen und externen Kulturpartner*innen. Sie kennen sich mit Kultur aus und sind selbst künstlerisch tätig. Kulturelle Projekte mit Kindern und Jugendlichen umzusetzen, ist ihr Spezialgebiet. Ausserdem kennen sie die gegenwärtigen Herausforderungen an Schulen und verfügen über Methoden, wie die Schule diesen Aufgaben bedarfsorientiert und mit künstlerischen Mitteln begegnen kann. Kulturagent*innen sind in der Schule ca. einen Tag pro Woche präsent. Sie arbeiten mit der schulinternen Arbeitsgruppe Kultur zusammen, moderieren Gruppenprozesse, begleiten kulturelle Projekte und Weiterbildungen für Lehrpersonen, bringen ihr Netzwerk aus der Kunst und Kultur ein und unterstützen die Schule als Expert*innen für kulturelle Bildung bei Themenwahl, Aufbau und Verankerung geeigneter Formate und Strukturen. Sie agieren jeweils nach Bedarf der Schule und begleiten Lehrpersonen und Schulleitung in der Weiterentwicklung der Schule zu einem kulturellen Profil.

Leistungen der Schule

Die Schulleitung sieht einen strategischen Nutzen in der strukturellen Einbindung von Kunst und Kultur in der Schule. Sie stü tzt das Projekt auf strategischer Ebene und bewirbt sich mit ihrer Schule. Dabei ist sie auch bereit die dafür benötigten strukturellen und finanziellen Voraussetzungen bereitzustellen:

1) Die Schule benennt eine Lehrperson als Kulturbeauftragte*n und stellt ihr 2 Wochenlektionen zur Verfügung. Diese Person verbindet die.den Kulturagent*in mit der Schule, vertritt das Projekt im Schulhaus und im Kollegium und stützt das Projekt auf der Ebene der Praxis.

2) Die.der Kulturbeauftragte bildet mit anderen Lehrpersonen die Arbeitsgruppe Kultur und unterstützt die.den Kulturagent*in im pädagogischen Bereich. Die Kulturbeauftragten/ Kulturgruppe der teilnehmenden Schulen vernetzen sich und bilden sich weiter. Sie sind zentral für die nachhaltige Verankerung.

«Durch kulturelle Bildung als Zugang und Türöffner lernen die Jugendlichen, sich auszudrücken, in ihrem Umfeld zu engagieren und diese aktiv mitzugestalten. Schulen öffnen sich daher zwangsläufig und verwischen die Grenze von Schule und Gesellschaft immer mehr. Insofern ist das Projekt richtig genutzt und begleitet ein Schulentwicklung-, resp. Schulkulturentwicklungsprojekt und hat nachhaltigen Einfluss.»

Michael Kubli, Schulleiter der Kulturagent.innen Schule Remisberg Kreuzlingen bis 2022, jetziger Co-Geschäftsführer bei proEdu.